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Low-Code vs. No-Code-Entwicklung im Trend

Was ist Low-Code & No-Code?

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Low-Code- und No-Code-Entwicklung stehen ungebrochen als führendes Trendthema im Fokus. Betrachtet man die Marktsituation genauer, ist dies schnell erklärt: Der Druck steigt. Unternehmen stehen im Spagat zwischen dem inneren Bedürfnis, ihre Abläufe und Arbeitsweisen zu optimieren, und den äußeren (Markt-)Anforderungen, die die Geschwindigkeit vorgeben, in der diese Änderungen umgesetzt werden müssen. Nicht zuletzt hat die Corona-Krise den Aktionsrahmen für Unternehmen nochmals enger gesteckt, den Zwang, zu handeln, erhöht. Während ein Gros reagieren möchte, können es viele nicht: unkalkulierbare Kosten, fehlende Ressourcen, mangelndes Knowhow, kaum Zeit, veraltete Systeme – sie alle bremsen die Unternehmensdigitalisierung.

Schneller, leichter, besser entwickeln mit Low-Code und No-Code?

Insbesondere der Fachkräftemangel im Bereich Software-Entwicklung zeigt sich stark begrenzt. Der Pool an talentierten und kompetenten Profiprogrammierern ist bereits ausgeschöpft, während die meisten Unternehmen noch ein Konzept erstellen. Darum gibt es seit Jahren Bemühungen, Unternehmen bei der digitalen Transformation zu unterstützen. In den 90er Jahren zum Beispiel durch Computer-aided software engineering (CASE)-Tools, Rapid Application Development (RAD) oder Model Driven Architecture (MDA). Heute setzt sich der Trend zu Low-Code- oder No-Code-Lösungen immer stärker durch.

Mit Fortschreiten der Digitalisierung, ist auch die Nachfrage von Unternehmen nach Lösungen gestiegen, die ihren Bedarf schnell decken können. Software hat eine der wichtigsten Rollen im Unternehmen eingenommen, neben der menschlichen Komponente. Kombiniert mit dem Mangel an professionellen Entwicklern und dem zeitlichen Druck durch den Wettbewerb, greifen immer mehr Entscheider auf Low-Code-Entwicklungsplattformen zurück. Je nach Anforderung, können No-Code-Plattformen bereits sehr zügig erste überschaubare Lösungen generieren – auch durch nicht geschultes Personal. Während Low-Code sogar komplexe Prozesslandschaften abbilden, jedoch mehr Programmieraufwand mit sich bringen kann.  Unternehmen erhalten durch diese neue Art des Codens einen definierten Rahmen, in dem Sie schneller zum Projektziel kommen.

Was sind die Gemeinsamkeiten von Low-Code- und No-Code-Entwicklung?

Auf den ersten Blick haben Low-Code-Entwicklung und No-Code viele Gemeinsamkeiten. Beide Ansätze sollen es nicht-professionellen Entwicklern ermöglichen, eigene Applikationen oder Programme zu schreiben. Der Kompetenzgrad der jeweiligen Developer kann sich in beiden Ansätzen dennoch stark unterscheiden. Nicht die Masse an Code ist also ausschlaggebend, sondern wer daran beteiligt ist und welches Problem es zu lösen gilt.

Es geht folglich darum, über einen visuellen Entwicklungsansatz für RAD nicht-technische, aber technisch versierte Anwender, in die Entwicklung einzubeziehen. Mit Hilfe von abstrahierten Entwicklungswerkzeugen können Mitarbeiter die benötigten funktionalen Komponenten per Drag and Drop in die Prozessgrafik ziehen und verbinden. Eine Bibliothek erleichtert Ihre Arbeit in dem Maße, dass Softwareanwendungen konfiguriert und entwickelt werden können, ohne dass eine Zeile Code geschrieben werden muss. Damit reduzieren beide Ansätze den Aufwand für den Aufbau von Softwarelösungen und Prozesslandschaften sowie die Wartung der Infrastruktur.

Low-Code- vs. No-Code-Entwicklung im Trend

Low-Code am Laptop
Low-Code am Laptop

Professionelle Entwickler

Sie haben eine fundierte Laufbahn vorzuweisen: Ausbildung, Studium im Bereich Informatik, einschlägige Berufserfahrung und Spaß daran, Code zu schreiben. Sie entwickeln Lösungen von Grund auf oder konfigurieren diese, um komplexe Probleme mit Code zu lösen oder kreative Ideen auszuprobieren. Sie nutzen Low-Code-Entwicklung, um schneller ans Ziel zu kommen und greifen dafür auf eine Toolbox zurück. Sie sind tief in der IT verwurzelt.

Besprechung von Low-Code- & No-Code-Entwicklung

Low-Code-Developer

Sie sind Entwickler, die sich auf Low-Code-Programmierung spezialisiert haben und steigen oft als Quereinsteiger in die IT-Branche ein. Sie haben die Prinzipien der Low-Code-Entwicklung verinnerlicht und kennen die Werkzeuge sehr gut. Für sie stehen die umzusetzenden Inhalte im Fokus, nicht so sehr der Code. Dieser ist Mittel zum Zweck und soll die Anforderungen der Fachanwender befriedigen. Sie stehen als Mittler zwischen Fachwendung und IT-Abteilung, sind mit diesen im Austausch und deshalb agiler in ihrem Tagesgeschäft.

Besprechung von Low-Code- & No-Code-Entwicklung
Low-Code- & No-Code-Entwicklung: Frau am Laptop
Low-Code- & No-Code-Entwicklung: Frau am Laptop

Citizen Developer

Immer mehr Unternehmen möchten, dass die IT bzw. Software in den Mittelpunkt rückt. Laut Gartner bilden bereits 61 Prozent der Unternehmen Fachanwender/Sacharbeiter für Low-Code weiter und übergeben Verantwortung für Softwareprojekte in die Hände von interessierten Business Anwendern: den Citizen Developern. Technisch versiert, mit geringen oder keinen Programmierkenntnissen, greifen diese per Low-Code/No-Code-Entwicklungsumgebung auf alle notwendigen Funktionen zu, um einfache Applikationen zu erstellen oder diese zu konfigurieren. Die Technik ist für sie Mittel zum Zweck, die Lösung des Problems bzw. das Knowhow in ihrem Kompetenzbereich ist deutlich wichtiger. Die IT-Abteilung hat weiterhin die Übersicht.

Was verbirgt sich hinter dem No-Code-Ansatz?

No-Code geht weiter als Low-Code in seinem Versprechen, den Programmieraufwand zu reduzieren. Der Fokus liegt primär darauf, zu konfigurieren statt zu programmieren und so Mitarbeiter in ein Integrations- bzw. Digitalisierungsprojekt einzubeziehen, die bislang keine Erfahrungen in diesem Bereich vorweisen können. Dafür greifen sie auf die grafische Konfigurationsoberfläche zu und wählen aus den definierten Werkzeugen aus. Diese können in der Regel nicht weiter angepasst werden. Mit No-Code-Plattformen lassen sich folglich überschaubare oder einfache Integrationsprojekte sowie Geschäftsprozesse schnell und planmäßig umsetzen, da sich der Entwickler in einem vorgegebenen Rahmen bewegt. Er muss weder die dahinterliegende Softwaretechnologie verstehen, noch eine Zeile Code schreiben. Er kennt jedoch das Einsatzszenario sehr gut und weiß, wie beispielsweise ein erfolgreicher Prozess auszusehen hat, denn er ist gleichermaßen Entwickler wie Endanwender.

No-Code-Plattformen können Unternehmen und Anwendern helfen, überschaubare Lösungen und Prozesse für Ihren Anwendungsfall abzubilden. In der Folge entstehen viele monolithische Anwendungen, die schnell verfügbar sind, gleichwohl aber die Data-Governance erschweren können.

Sobald es darum geht, diese Anwendungen zu skalieren oder weitere Anbindung- sowie Integrationsmöglichkeiten benötigt werden, erreichen No-Code-Plattformen und No-Code-Entwicklung ihr Limit. Der Rahmen ist gesteckt: Mitgelieferte Funktionalität, Erweiterbarkeit, Skalierbarkeit und Bereitstellung sind weitestgehend vorgegeben. Hinzu kommt, dass Citizen Developer üblicherweise wenig Einsicht in Grundlagen der Softwarearchitektur besitzen und für ihren Anwendungsfall designen. Dafür kann diese Herangehensweise ausreichen, auf das gesamte Unternehmen kann sie jedoch nicht übertragen werden. Doch No-Code-Plattformen zielen genau darauf ab: Sie steigern die Effizienz eines Unternehmens dahingehend, dass Lösungen schnell und dezidiert entwickelt werden, es geht nicht darum das Unternehmen, verschiedene Systeme oder Drittanbieter zu vernetzen.

Was ist die Definition von Low-Code-Entwicklung?

Geprägt wurde der Begriff „Low-Code“ bereits 2015 durch Forrester Research, ein US-amerikanisches Marktforschungsunternehmen, als eine Möglichkeit, Programme und Anwendungen mit geringem Programmieraufwand über visuelle Entwicklungswerkzeuge zu erstellen. Dabei unterstützt eine vereinfachte Oberflächenentwicklung, orientiert am RAD-Ansatz, sowie die ganzheitliche Softwarearchitektur wie sie in der MDA entworfen wurde. Das „Low“ zielt also nicht auf die Qualität des Codes ab, sondern auf den Aufwand, der sich für den Anwender ergibt. Auch wenn Low-Code die Fachabteilungen und die IT-Abteilung näher zusammenbringen soll, arbeiten heute mehrheitlich noch professionelle Entwickler, Systemintegratoren und Systemarchitekten mit den sogenannten Application Platform as a Service (aPaaS)-Plattformen. Neben der grafischen Oberfläche stellen diese auch eine Bibliothek zur Verfügung, aus der Anwender per Drag and Drop wählen können. Sofern die gebotenen Werkzeuge ausreichen, muss kein weiterer Code erstellt werden, um ein Projekt zu finalisieren.

Low-Code Projekte abstrahieren alle Schritte des Lebenszyklus einer Anwendung und automatisieren diese grundlegend. Sie haben oft zum Ziel, Integrationsaufgaben so anzulegen, dass diese wiederverwendet, kontinuierlich optimiert oder für weitere Beteiligte vereinfacht werden können. Oft kommen Unternehmen damit jedoch an Grenzen, denn die individuellen Abläufe und Anforderungen innerhalb ihrer Branche führen dazu, dass Applikationen, Prozesse oder mobile Anwendungen tiefergehend angepasst werden müssen. Hier bieten Low-Code-Plattformen die Möglichkeit, weitere Konfigurationen durch „harten Code“ hinzuzufügen oder bestehende Konfigurationen umzuschreiben. Citizen Developer und Low-Code-Developer müssen dann von professionellen Entwicklern unterstützt werden. Low-Code lässt demnach die Arbeit mehrerer Beteiligter zusammenfließen, so dass sich diese bestmöglich ergänzen: Der Anteil manuellen Codes ist vergleichsweise gering und steht im Verhältnis von 20:80 zum konfigurierten Code. Nichtsdestotrotz kann der Aufwand für die Programmierung dieser 20 Prozent den Großteil der Projektarbeit einnehmen – bietet Unternehmen jedoch eine große Freiheit und Einsatzspielraum.

Damit wird deutlich, dass Low-Code-Plattformen das Potenzial haben, auch komplexe Szenarien digital und automatisiert abzubilden - unternehmensweit. Dennoch punkten sie im Vergleich zu einer Individuallösung sowohl beim Programmieraufwand als auch in den Bereichen Offenheit und Agilität, zeitlicher Aufwand, Kollaboration und Gemeinschaft.

Vorteile der Low-Code-Entwicklung

Die Vorteile der Low-Code-Entwicklung ergeben sich aus den unterschiedlichen Anforderungen des jeweiligen Geschäftsbereichs und aus den Möglichkeiten, die eine schnellere Lösungsentwicklung bei geringem Programmieraufwand bietet. In jedem Fall sind diese individuell zu bewerten, nichtsdestotrotz können einige übergreifende Vorteile von Low-Code definiert werden.

Reduzierte Kosten

  • Einerseits hat Low-Code das Ziel, die Zahl der Personen, die an einem Integrationsprojekt arbeiten, zu erhöhen und so die Arbeit auf mehr Mitarbeiter zu verteilen, während die IT entlastet wird. Dadurch müssen keine externen Dienstleister beauftragt werden und die Kompetenz bleibt im Unternehmen. Es entstehen langfristige Kosteneinsparungspotenziale.
  • Zudem sind Low-Code-Plattformen so konzipiert, dass sie vergleichsweise schnell Projekte zu Ende bringen können. Sofern keine weitere Anpassung notwendig ist, erlaubt es die grafische Oberfläche (GUI), Prozesse aus den bestehenden Funktionen zu konfigurieren. Das spart nicht nur Geld bei der Entwicklung, sondern beschleunigt die digitale Transformation.

Die nachfolgenden Vorteile von Low-Code-Entwicklung hängen stark mit dem Kostenfaktor und der Effizienzsteigerung von Unternehmen zusammen.

Gesteigerte Time-to-Value

  • Indem Projekte schnell abgeschlossen werden können, stehen funktionierende Anwendungen und Apps schnell zur Verfügung. Mitarbeiter können viel zügiger mit der Arbeit beginnen, das Unternehmen profitiert von diesem Vorsprung gegenüber dem Wettbewerb und die IT-Abteilung kann sich anderen Themen zuwenden.
  • Sinnvolle Schatten-IT aufbauen: Dadurch, dass Komponenten vordefiniert sind oder durch professionelle Entwickler als Vorlage bereitgestellt werden können, sind Mitarbeiter in ihrer Projektarbeit flexibel, bewegen sich jedoch stets auf der sicheren Seite. Die zentrale IT wird entlastet, Abteilungen müssen nicht länger auf einsatzbereite Lösungen warten.
  • Anwendungen können bereits parallel zur Anforderungsanalyse entstehen, so dass der Entwicklungszyklus bis zum einsatzbereiten Produkt nochmals verkürzt wird.

Intensivierte Zusammenarbeit

  • Indem Teams unternehmensweit und abteilungsübergreifend zusammenarbeiten, können Entscheidungen fundiert getroffen werden. Viele Low-Code-Plattformen bringen dafür eigene Tools mit, die die Kollaboration optimieren.
  • Unterschiedliche Sichtweisen befruchten und optimieren das Endprodukt: Die IT interessiert sich für die dahinterliegende Architektur, die Fachanwendung für die Abdeckung der eigenen Inhalte.

Vielversprechende Skalierbarkeit

  • Die offene Struktur von Low-Code-Plattformen erlaubt es, Anwendungen nicht allein für eine Abteilung zu konfigurieren, sondern das Konzept auf weitere Abteilungen zu übertragen und auszuweiten.
  • Durch Schnittstellentechnologie wie API-Technologie können weitere Systeme, Drittanbieter oder Externe eingebunden werden und den Einsatzrahmen erweitern.
  • Die Anwendungen können in der Regel sowohl als Web-Applikation, mobil als auch conversational oder immersive bereitgestellt werden – so wie es das Geschäftsmodell benötigt.  
  • Die Prozesse und Anwendungen können gewartet werden.

Kollaborative Entwicklung

  • Low-Code-Plattformen brechen die Silos zwischen den Abteilungen auf und bringen Mitarbeiter funktionsübergreifend zusammen. Es entsteht eine neue Art der Entwicklung, die schneller, agiler und flexibler auf sich wandelnde Geschäftsanforderungen reagieren kann.
  • Der Fachkräftemangel schlägt nicht mehr so stark zu Buche, da Nicht-Entwickler als Low-Code oder Citizen Developer integriert werden. Das Unternehmen kann folglich weitere Investitionen tätigen und den digitalen Wandel beschleunigen.

Low-Code oder No-Code? Welcher Ansatz eignet sich wann am besten?

Ob der Low-Code-Ansatz oder doch eine No-Code-Plattform den Unternehmensanforderungen am besten entspricht, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Neben der Ressourcenfrage, die zugegeben eine der bedeutendsten ist, spielt auch die Zukunftsfähigkeit – sprich Skalierbarkeit, Integrationsfähigkeit und Kosteneffizienz – eine wichtige Rolle.

Während No-Code-Plattformen aufgrund ihrer Einfachheit oft kritisiert werden, verbinden Sie alle Anwender stärker mit der Software und bieten Lösungen an, die den Erwartungen der Mitarbeiter entsprechen. Denn diese sind sowohl an der Konzeption wie auch an der softwareseitigen Umsetzung beteiligt. Als unternehmensweite Lösung sind sie ungeeignet und bieten im weiteren Verlauf die Gefahr, zu einer modernen Version der „One trick Ponys“ zu avancieren. Damit könnten sie zukünftig eine Reihe neuer Probleme für das Unternehmen auftun.

Low-Code-Plattformen hingegen werden oft in ihrem Potenzial unterschätzt, da ihnen komplexe Projekte nicht zugetraut werden. Doch gerade aufgrund der offenen Struktur der meisten Low-Code-Plattformen, können diese, abgesehen von der eigenen Funktionalität, gut integriert werden und den Aktionsrahmen der Anwender erweitern. Dies verlangt aber schlussendlich die Mitarbeit von professionellen Entwicklern, denn mit Drag und Drop sind solche Anpassungen nicht möglich. Zudem müssen einbezogene Fachanwender und die IT eng zusammenarbeiten, um den vollen Nutzen von Low-Code-Entwicklung zu entfalten. Es reicht nicht, Anwendungen schnell zu entwickeln, wenn die Profiprogrammierer diese an den Anwendungslebenszyklus und die Geschäftsanforderungen anpassen, Fehler beheben oder reparieren müssen. Dies setzt eine detaillierte Planung und Aufgabenteilung im Vorfeld eines Projekts voraus.

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