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Digitalisierung im Finanzsektor

Digitalisierung im Finanzsektor: Warum DPA Potenzial hat

  • Erscheinungsdatum
  • Lesedauer
  • Autoren Rainer Wilken, Ralph Schöneberger
  • KategorieDigitalisierung nach Fachbereichen

Wussten Sie, dass bereits drei Viertel der Deutschen Online-Banking nutzen? 2014 war es gerade einmal jeder Zweite. Das ergab eine aktuelle Studie des Digitalisierungsverbands Bitkom. Dieser Trend wird auch im Finanzsektor verfolgt. Dabei ist Digital Process Automation (DPA) die Technologie, mit der immer mehr Finanzinstitute ihre Digitalisierung angehen. Lesen Sie, welche guten Gründe es dafür gibt und auf welche Kriterien Finanzinstitute achten sollten, wenn Sie sich für ein geeignetes Tool entscheiden.

Ausgangssituation: Nicht hinter Wettbewerbern zurückfallen

Digitale Disruption gibt es auf allen Ebenen des Finanzsektors. Banken, Versicherer, Investmentfirmen und Vermögensverwalter stehen gleichermaßen unter Druck, rund um die Uhr digitale Dienste bereitzustellen. Andernfalls riskieren sie, hinter ihren Wettbewerbern zurückzufallen. Ein unübersichtlicher Markt, neue Technologien und Wettbewerber sowie stetig steigende Erwartungen der Verbraucher zwingen die Finanzinstitute, große Veränderungen voranzubringen.

Finanzdienstleister müssen neue Funktionen häufig über bestehende Systeme bereitstellen, die ursprünglich nicht für das digitale Business entwickelt wurden. Zudem gehen bei Geschäfts- und Privatkundenbanken 80 Prozent der Daten unstrukturiert ein. Diese Daten zu verarbeiten, ist sehr personal- und damit kostenintensiv.

Finanzinstitute können diese Herausforderung als Chance wahrnehmen und nutzen. Dazu müssen sie Prozesse digitalisieren und automatisieren. Das Werkzeug: Digital Process Automation. DPA hilft, Geschäftsprozesse in eine bestehenden Systemlandschaft zu integrieren und anzupassen. Dadurch können sich Banken und Versicherer schneller und flexibler auf geänderte Marktanforderungen einstellen, evidenzbasierte Entscheidungen treffen und sich noch stärker auf die Bedürfnisse und Wünsche ihrer Kunden konzentrieren.

Beispiel: ESG-Rating im Kreditantragsprozess – anspruchsvolle Aufgaben lösen

Automatisierung kann in vielen Fällen anspruchsvolle Aufgaben lösen, mit denen die Finanzbranche konfrontiert ist. Ein Beispiel hierfür ist das Sammeln von Daten für ein ESG-Rating im Kreditantragsprozess. Um die Parameter für ein ESG-Rating zu bestimmen und diese aus verschiedenen Quellen abzurufen, lässt sich DPA hinzuziehen. Dabei können zusätzlich Technologien wie Robotic Process Automation (RPA) oder künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz kommen. RPA wird genutzt, um Daten aus bestehenden Systemen oder dem Web automatisiert abzurufen, während KI vorhandene Textdokumente, beispielsweise Geschäftsberichte, analysiert.

Digitalisierung im Finanzsektor fördert mobiles Arbeiten

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass auch Finanzmitarbeiter in der Lage sein müssen, ihre Arbeit ortsunabhängig zu verrichten. Von der Datenerfassung bis hin zur Unterschrift ermöglicht die digitale Transformation – einschließlich DPA – im Finanzsektor genau das. Außerdem ist das Thema Förderanträge stärker in den Vordergrund gerückt. Dadurch wurde klar, dass die digitale Lösung vor allem schnell umsetzbar und an möglichst vielen Stellen einsetzbar sein sollte. Die nahtlose Integration von verschiedenen RPA- und KI-Lösungen ist daher sehr wichtig. Hierbei fordern Finanzinstitute oft eine möglichst umfassende Integration von Microsoft Office.

Kundeninteraktionen vereinfachen

Finanzinstitute nutzen DPA, um Kundeninteraktionen zu vereinfachen. Dies ist zum Beispiel bei komplexen Förderanträgen der Fall, Hier werden Kunden mit Hilfe von DPA durch die Antragsschritte geführt. DPA hilft Interaktionen zu koordinieren und durchzuführen, die nicht direkt mit der Erfassung der Daten zusammenhängen. Beispiele: Steuerberater einbinden oder Unterlagen archivieren. Dies stärkt die Marktposition gegenüber weniger digitalen Finanzdienstleistern.

Finanzinstitut und Kunde profitieren von Digitalisierung

Digitalisierung im Finanzsektor - Finanzinstitut und Kunde profitieren davon

Zwei Geschäftsprozesse für den Start

Ein klassisches Beispiel für den Start ist der Kreditantragsprozess, der bei vielen Finanzinstituten noch immer nicht komplett papierlos vonstattengeht. Hier gibt es zahlreiche Stellen, an denen DPA den Geschäftsprozess optimieren kann. Von der automatisierten Erfassung von Daten aus verschiedensten Quellen über die Durchführung von intelligenten Berechnungen (zum Beispiel für ein vorläufiges Kreditrating) bis hin zur digitalen Unterschrift ist praktisch alles digital und automatisiert möglich.

In der Finanzbranche sind häufig interne wie auch externe Freigabeprozesse zu finden, wie zum Beispiel die Prüfung und anschließende Freigabe von Rechnungseingängen. Da Freigaben abteilungsübergreifend anfallen, lohnt es sich, diese Prozesse zu digitalisieren und zu automatisieren und mehr oder weniger generisch zur Verfügung stellen. Als Teilschritt eines Gesamtprozesses sind sie außerdem regelmäßig Bestandteil von Automatisierungen.

Revisionssicher soll’s sein – Kriterien für eine geeignete DPA-Lösung

Die Nutzung von Software aus individueller Datenverarbeitung (IDV) gerät zunehmend in den Fokus der Bankenaufsicht. Gleichzeitig steigt das Maß an Flexibilität, das die Fachbereiche benötigen, um stetig neuen Anforderungen gerecht zu werden. Dies bringt Banken verstärkt in eine Zwickmühle. Daher entscheiden sich immer mehr Finanzinstitute dazu, neue Plattformen zu schaffen, die die Aufgaben der vorhandenen IDV übernehmen. Diese Plattformen müssen dabei einerseits flexibel genug für die Bedürfnisse der Fachbereiche sein und andererseits die Compliance-Anforderungen erfüllen. DPA-Plattformen liefern genau das und helfen damit, nicht nur IDV abzulösen und eine revisionssichere Dokumentation bereit zu stellen, sondern bieten zusätzliche noch die Möglichkeit der weiteren Automatisierung der Prozesse.

Neben der Flexibilität und Revisionssicherheit sollten Verantwortliche im Finanzbereich weitere Kriterien bei der Auswahl einer geeigneten DPA-Lösung beachten. Wie wichtig die einzelnen Eigenschaften für das jeweilige Finanzinstitut sind, ist individuell zu betrachten. Folgende Kriterien können aber bei der Auswahl eine Rolle spielen:

  • Bereitstellung von Workflow- und Anwendungsentwicklungsfunktionen mit geringem Codeanteil („Low-Code“)
  • Eine intuitive und visuelle Schnittstelle, die keine technischen Kenntnisse zur Bedienung erfordert
  • Nahtlose Integration von KI- und RPA-Lösungen
  • Systemfunktionalitäten (digitale Signatur, OCR, Archivierung, E-Mail-Anbindung etc.)
  • Skalierbarkeit
  • Integriertes Datenmanagement
  • Integrierte Funktionalität hinsichtlich Identity & Access Management
  • Einfache Umsetzung von Mehrsprachigkeit
  • Universelle Programmiersprache

Digitalisierung kann im Finanzsektor helfen, Kosten zu senken, Prozesse zu optimieren, bessere Servicequalität zu bieten und Personalressourcen zu entlasten. DPA hat dabei die Fähigkeit, als Eckpfeiler der digitalen Transformation für Banken zu fungieren. Infolgedessen konzentrieren sich führende Unternehmen jetzt auf die Digitalisierung ihrer Abläufe mit DPA – sowohl hinsichtlich der Art und Weise wie sie Kundenanforderungen erfüllen, als auch bei der Einführung neuer Produkte auf dem Markt.

Über die Autoren

  • Ralph Schöneberger

    Ralph Schöneberger ist Unternehmensberater bei PwC, sein Fokus liegt auf der Digitalisierung und Automatisierung von Geschäftsprozessen. Er berät Mandanten von PwC beim Aufbau von Digitalisierungsplattformen. Innerhalb des Unternehmens leitet Ralph Schöneberger das BPM–Team im Bereich FS Technology.

  • Rainer Wilken

    Rainer Wilken begleitet als Partner bei PwC seit vielen Jahren die Transformation von Banken. Dabei kommt der Digitalisierung von Abläufen im Unternehmen eine besondere Rolle zu. Bei PwC verantwortet Herr Wilken das Thema "Compliance of the Future" in Financial Services. 

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